Sie ist mit Abstand die einzige Weltreligion, die sich über regen Zulauf freuen. Deutschland spricht der Weltreligion Kirche des Fliegenden Spaghettimonsters — trotz Religionsfreiheit und Gleichheit vor dem Gesetz — das Recht auf eine Religionsgemeinschaft ab. Der Fall geht nun vor den Europäischen Gerichtshof.

Geschichte

Das Fliegende Spaghettimonster (englisch Flying Spaghetti Monster, kurz: FSM) ist die Gottheit einer im Juni 2005 vom US-amerikanischen Physiker Bobby Henderson begründeten Weltreligion und gleichzeitig eine Religionsparodie, die als Verteidigung der Evolutionslehre entstand. Die von Henderson verfasste Glaubenslehre war als Persiflage der kreationistischen Pseudowissenschaft Intelligent Design gedacht, die damals auf Betreiben der Intelligent-Design-Bewegung gleichberechtigt neben der Evolutionstheorie im Biologieunterricht mehrerer US-amerikanischer Schulbezirke gelehrt werden sollte. Da der Kreationismus keinen bestimmten Gott als Schöpfer nennt, argumentierte Henderson, es handele sich dabei nicht um den christlichen, sondern um seinen Gott, das Fliegende Spaghettimonster. Der Vorlage etablierter Religionen folgend wurden als Teil der Religionskritik in den folgenden Jahren kirchliche Strukturen und Gemeinden in verschiedenen Ländern aufgebaut und auch die staatliche Anerkennung als Religionsgemeinschaft angestrebt und teils erlangt.

Religionen, Weltreligion, Kirche, Spaghettimonster, Fliegendes Spaghettimonster Die englische Selbstbezeichnung lautet Flying Spaghetti Monsterism. Außerdem ist die Bezeichnung Pastafarianismus (ein Kofferwort aus Pasta und der Rastafari-Bewegung) verbreitet, ihre Mitglieder bezeichnen sich selbst als Pastafaris.

Der Name des fliegenden Spaghettimonsters rührt von seiner Ähnlichkeit mit einer großen Portion Spaghetti mit Fleischbällchen (Spaghetti with meatballs) und Stielaugen her. Statt von der "Hand Gottes" sprechen Pastafaris von His Noodly Appendage ("Seinem Nudeligen Anhängsel"). Das Fliegende Spaghettimonster ist die Gottheit der Kirche des Fliegenden Spaghettimonsters.

Idee und Verbreitung

Der Anlass für die Gründung dieser Weltreligion war die öffentliche Diskussion um die Unterrichtung von Intelligent Design im Biologieunterricht an US-amerikanischen Schulen. Unter Verweis auf das — gerade auch von den Verfechtern des Intelligent Designs verwendete — Argument der Gleichberechtigung und der bisher nicht erfolgten Widerlegung der Argumente des Intelligent Designs (Argumentum ad ignorantiam) forderte Henderson in einem offenen Brief an die Schulbehörde von Kansas, auch seine Glaubenslehre müsse wie die kreationistische im Unterricht vermittelt werden dürfen. Diese Forderung ist als Parodie zu verstehen und soll zeigen, dass religiöse Inhalte im naturwissenschaftlichen Unterricht nichts zu suchen haben, völlig ungeachtet des persönlichen Glaubens.

Kreationismus, auch Intelligent Design
Damit bezeichnet man die Annahme, dass das Universum, das Leben und der Mensch so entstanden ist, wie es in dem Vereinsbuch "Bibel" der Christen steht.

Die Weltreligion der Kirche des Fliegenden Spaghettimonsters, auch Pastafaris, immer mehr Anhänger und Sympathisanten der Parodie. Die Aktion hat sich zu einem soziokulturellen Phänomen entwickelt. Dutzende Weblogs trugen zur weiteren Verbreitung bei. Ebenfalls Aufsehen erregen die enormen Preisgelder, die auf eine Widerlegung der Idee ausgelobt werden. Eine bestehende Wette des Kreationisten Kent Hovind parodierend, schreibt der Blog Boing Boing:

"We are willing to pay any individual $ 250,000 if they can produce empirical evidence which proves that Jesus is not the son of the Flying Spaghetti Monster." — Boing Boing's $ 250,000 Intelligent Design challenge

"Wir sind bereit, jedem 250.000 US-Dollar zu zahlen, der empirische Beweise erbringen kann, dass Jesus nicht der Sohn des Fliegenden Spaghettimonsters ist."

Das Preisgeld wurde inzwischen auf über eine Million US-Dollar erhöht. Es geht hier jedoch nur darum, das Prinzip der Unmöglichkeit eines solchen Beweises zu unterstreichen: Es ist keine Glaubenslehre der Pastafaris, dass Jesus der Sohn des Fliegenden Spaghettimonsters sei.

Nach Angaben der Ersten Vereinigten Kirche des fliegenden Spaghettimonsters in Deutschland gibt es weltweit "inzwischen (...) mehr als 10 Millionen Gläubige bei steigender Tendenz."

Zentrale Glaubensinhalte

∎ Die Welt wurde vom nicht nachweisbaren Fliegenden Spaghettimonster erschaffen. Alle Hinweise auf eine Evolution wurden von ebendiesem bewusst gestreut, um die Menschen zu verwirren.

∎ Auch die Gravitation existiert nicht. Die Wahrheit ist Intelligent Falling, d. h. das FSM drückt alles mit seinen nudeligen Anhängseln zu Boden (Erdanpressung).

∎ Bobby Henderson ist der Prophet dieser Religion.

∎ Piraten werden als die ursprünglichen Pastafaris verehrt. Lebensmaxime der Gläubigen ist "WWAPD?" ("What Would A Pirate Do?", englisch für "Was würde ein Pirat tun?") in Anspielung auf den christlichen Slogan W.W.J.D. ("What would Jesus do?", englisch für "Was würde Jesus tun?"). Das Fliegende Spaghettimonster verlangt das Tragen von Pirateninsignien (full pirate regalia).

∎ Einzige Ursache für die globale Erwärmung, Orkane und alle anderen Naturkatastrophen ist die sinkende Zahl von Piraten seit Beginn des 19. Jahrhunderts. Dies gilt unter Pastafaris als empirisch bewiesen. In diesem Zusammenhang wurde auch der mehrdeutige, englische Ausdruck "Pirates are cool!" bekannt, cool kann in diesem Falle sowohl als abgefahren als auch als kühl verstanden werden. 2008 interpretierte Henderson die wachsende Piraten-Aktivität am Golf von Aden als einen weiteren empirischen Beweis für die Richtigkeit des Erderwärmungs-Dogmas, denn es sei festzustellen, dass Somalia weltweit die höchste Piraten-Dichte und gleichzeitig die niedrigste CO2-Emission aufweise.

∎ Nach dem Tod stehen den Gläubigen im "Himmel" unter anderem ein Biervulkan und eine Stripper- und Stripperinnen-Fabrik zur Verfügung.

∎ Gebete beenden die Anhänger mit dem Wort Ramen (oft auch RAmen geschrieben), der Bezeichnung für eine vor allem in Japan verbreitete Nudelart.

∎ Im Buch Das Evangelium des Fliegenden Spaghettimonsters werden unter anderem analog zu den Zehn Geboten des Christentums die acht "Mir wär's wirklich lieber, Du würdest nicht ..." beschrieben, die vom Spaghettimonster gepredigt werden. Die darin erklärten Grundsätze sprechen sich unter anderem gegen Diskriminierung, Vorurteile, religiöse Dogmen, Nötigung und Frauenfeindlichkeit aus. Das achte "Mir wär's wirklich lieber, Du würdest nicht ..." beschreibt eine abgewandelte Form der Goldenen Regel, es fordert zur Freien Liebe und dem Gebrauch von Kondomen auf.

Das Evangelium

Der Schöpfer — Das Fliegende Spaghettimonster — übergab dem Piratenkapitän Mosey die acht "Mir wär's wirklich lieber, du würdest nicht ..."

1. "Mir wär's wirklich lieber, du würdest dich nicht wie ein oberheiliger Heuchler aufspielen, wenn du meine nudlige Güte beschreibst. Wenn irgendwelche Leute nicht an mich glauben, ist das echt okay. Ich bin nicht so eitel. Außerdem: Es geht nicht um diese, also weiche nicht vom Thema ab.

2. "Mir wär's wirklich lieber, du würdest nicht meine Existenz als Mittel benutzen, um jemanden zu unterdrücken, zu unterwerfen, zu bestrafen, zu vernichten und/oder du weißt schon. Ich verlange keine und benötige keine Opfer. Und Reinheit ist was für Trinkwasser, nicht für Menschen.

3. "Mir wär's wirklich lieber, du würdest nicht Leute wegen ihres Aussehens beurteilen oder was für Klamotten sie anziehen oder wie sie reden oder wie auch immer — sei einfach nett, okay? Oh, und kriegt das mal in eure Dickschädel: Frau = Person. Mann = Person. Klar? Klar. Eine ist nicht besser als der andere, solange wir nicht über Mode reden. Tut mir leid, aber ich hab' das den Frauen überlassen und einigen Kerlen, die den Unterschied zwischen Dunkeltürkis und Scharlachrot kennen.

4. "Mir wär's wirklich lieber, du würdest nichts tun, das dir selbst oder deinem bereitwilligen, volljährigen und geistig gesunden Partner peinlich sein müsste. Wem das nicht passt, der kann mich mal — ich glaube, die Formulierung lautet: am A**** lecken. Wem das auch nicht passt, der sollte am besten die Glotze ausmachen und zur Abwechslung ein Stück spazieren gehen.

5. "Mir wär's wirklich lieber, du würdest dir die verklemmten, frauenfeindlichen Vorstellungen anderer nicht auf nüchternen Magen anhören. Esst etwas, dann macht euch über die Idioten her.

6. "Mir wär's wirklich lieber, du würdest nicht Multimillionendollar-Kirchen, Moscheen, Tempel, Schreine für Meine Nudlige Güte erbauen. Das Geld kann man nun wirklich sinnvoller anlegen. Sucht euch etwas aus: → Armut zu beenden → Krankheiten zu heilen → in Frieden leben, mit Leidenschaft lieben und die Kosten von Kabelfernsehen senken. Mag ja sein, dass ich ein komplexes, allwissendes Kohlenhydratwesen bin, aber ich mag die einfachen Dinge im Leben. Ich muss es wissen, ich bin der Schöpfer.

7. "Mir wär's wirklich lieber, du würdest nicht rumgehen und Leuten erzählen, ich würde zu dir sprechen. Du bist nicht SO interessant. Nimm dich mal zurück. Und ich sagte dir bereits, dass du deine Mitmenschen lieben sollst, kannst du keinen Hinweis erkennen?

8. "Mir wär's wirklich lieber, du würdest andere nicht so behandeln, wie du nicht selbst gern behandelt werden möchtest, es sei denn, du bist mit Sachen zugange, in denen, ähm, eine Menge Leder, Gleitcreme und Las Vegas eine Rolle spielen. Sollte die andere Person auch darauf abfahren, dann macht es, siehe auch Punkt 4, macht Fotos, und, um Mikes willen, benutzt KONDOME! Hätte ich nicht gewollt, dass es sich gut anfühlt, dann hätte ich Stacheln oder so drangebastelt.

Geschichte

Im Juni 2005 schrieb Bobby Henderson einen offenen Brief an die Schulbehörde von Kansas, USA, in dem er forderte, seine Glaubensrichtung — den FSMismus (engl. FSMism) — ebenso wie die fundamentalistisch-christliche Überzeugung des Kreationismus in öffentlichen Schulen zu unterrichten. Die Zahl der Besuche auf Hendersons Website begann seitdem allmählich zu steigen und erreichte im August 2005 einen Höhepunkt, nachdem sie in diversen Blogs verlinkt worden war.

Auf seiner Website zitiert Henderson unter anderem George W. Bush, der sich für die Vermittlung von nicht-evolutionären Überzeugungen wie Intelligent Design an Schulkinder ausspricht. Daher fühle Henderson sich in seinem Anliegen, Pastafarianismus unterrichten zu lassen, von Bush bestärkt, der zu dieser Zeit das Amt des Präsidenten der USA innehatte.

Die Idee wurde in zahlreichen Modifikationen vorgestellt, die in den USA regional vertretene christliche Sekten parodieren: der Cult of Oregano, die Reformed Church of Alfredo, Orthodox Monsterist Church of West Virginia, Mystical Order of the Flying Spaghetti Monster, die Moomin Church of His Spaghettiness von Jersey (Kanalinseln) oder die SPAM (The Spaghetti & Pulsar Activating Meatballs, deutsch: Die spaghetti- und pulsaraktivierenden Fleischbälle; die Abkürzung ist ein Wortspiel mit Spam).

Seit 2012 gibt es in Polen Bestrebungen, die "Polnische Kirche des Fliegenden Spaghettimonsters" (Polski Kosciól Latajacego Potwora Spaghetti) öffentlich-rechtlich anerkennen zu lassen. Im März 2013 wurde der Registrierungsantrag vom Ministerium für Öffentliche Verwaltung und Digitalisierung abgewiesen, mit der Begründung, dass die Kirche nicht zum Zwecke der gemeinschaftlichen religiösen Glaubensbekennung und Missionierung, sondern vielmehr zur Religionskritik gegründet sei (in Polen sind nichtreligiöse Weltanschauungsgemeinschaften nicht den Kirchen gleichgestellt). Die Antragstellung und ihre Abweisung fanden ein starkes Presseecho.

In Deutschland wurde der Verein Die Kirche des Fliegenden Spaghettimonsters e. V. mit Sitz in Templin 2012 als Weltanschauungsgemeinschaft anerkannt. Zuletzt machte der Verein im November 2014 von sich reden, als er an den Ortseingängen Schilder aufstellte, die Tag und Uhrzeit, nicht jedoch den Ort der wöchentlichen Nudelmesse benennen.

In Neuseeland hat sich die Spaghettimonster-Kirche bereit erklärt, Trauungen von schwulen und lesbischen Paaren durchzuführen, was zwar auch staatlicherseits seit 2013 möglich ist, aber bislang von der anglikanischen und der katholischen Kirche abgelehnt wird. Seit dem 10. Dezember 2015 darf die Spaghettimonster-Kirche offiziell kirchliche Trauungen durchführen. Als "Ministeroni" (Päpstin) wurde Karen Martyn ernannt, die als erste Person in Neuseeland legal Paare im Namen der Kirche des Fliegenden Spaghettimonsters trauen darf.

Weltweit die erste rechtlich anerkannte Eheschließung nach Spaghettimonster-Ritus — eines heterosexuellen Paars — wurde am 16. April 2016 in Neuseeland auf einem kleinen Schiff bei der Küstenstadt Christchurch geschlossen.

Im April 2014 beantragte die österreichische "Kirche des Fliegenden Spaghettimonsters" die offizielle Anerkennung. Die staatliche Anerkennung als Glaubensgemeinschaft verwehrte das österreichische Kultusamt der Kirche des Fliegenden Spaghettimonsters jedoch mit der Begründung, es fehle ein Bezug zur religiösen Lehre.

In Österreich wird seit dem 8. Januar 2018 vor dem Bundesverwaltungsgericht (BVwG) der Antrag der "Kirche des Fliegenden Spaghettimonsters" (KdFSM) auf Anerkennung als Bekenntnisgemeinschaft verhandelt. Nach Kompetenzstreit hatte der Verfassungsgerichtshof im November 2017 das Bundesverwaltungsgericht für zuständig erklärt. Der Richter erklärte am ersten Verhandlungstag die Absicht, bis zu 300 Pastafaris als Zeugen zu ihrer religiösen Praxis des "Pastafarismus" zu befragen. Die Religionsredaktion(!) des ORF vermutet dahinter das Ziel, "festzustellen, ob es die für die Anerkennung notwendige Zahl von mindestens 300 Gläubigen in Österreich auch tatsächlich gibt." Das BVwG hat bis zum Mai 2018 Zeit, um zu urteilen. Nach einem positiven Urteil benötigt die KdFSM zur Anerkennung als Religionsgemeinschaft noch den Nachweis einer Mitgliedszahl von mindestens 2 Promille der Bevölkerung — etwa 17.000 Menschen — und den einer Bestehensdauer der Gemeinschaft von 20 Jahren in Österreich sowie einen neuen Antrag.

Feiertage und Feste

Das wichtigste Fest und die wichtigsten Feiertage der Pastafaris sind die Holidays. Da Pastafaris sich nicht an religiöse Dogmen zu halten brauchen, gibt es weder fest definierte Tage noch Zeiten, Prozessionen oder Orte für dieses Fest, wobei es jedoch vorwiegend in der Weihnachtszeit veranstaltet wird. Üblicherweise wird es mit der Familie und einem üppigen Mahl gefeiert. In den USA hat es sich eingebürgert vor allem in Werbeaktionen religiösen Feiertagen wie Ostern, Weihnachten etc. neutral als "Holidays" zu bezeichnen, um Andersgläubige nicht auszugrenzen. Von Pastafaris wird das als Bekenntnis zu ihrem Glauben gewertet.

Das Passtahfest entspricht dem Pessachfest bei den Juden und dem christlichen Ostern. In dieser Zeit verspeisen Pastafaris große Mengen an Pasta, welche von Familienmitgliedern in Piratenkluft zubereitet wird.

Ramendan entspricht dem Ramadan, der islamischen Fastenzeit. Pastafaris ernähren sich zu dieser Zeit ausschließlich von der bei Studenten beliebten Instant-Nudelsuppe "Ramen", um der Zeit zu gedenken, als sie noch hungrige Studenten waren. Ramendan ist wahrscheinlich der unkommerziellste pastafarianische Feiertag, da es keine Passtahfest-Sonderangebote gibt. Am Ende der Fastenzeit verschenken Pastafaris den übrig gebliebenen Vorrat an Instant-Nudelsuppe an Bedürftige.

Halloween ist ein sehr wichtiger Feiertag für Pastafaris. Zu diesem Fest gedenken sie der Piraten, als diese noch in Freiheit über die Meere segelten. Pastafari verkleiden sich zu Halloween meist als Piraten und verschenken Süßigkeiten an Kinder. Laut dem Evangelium des Fliegenden Spaghettimonsters waren Piraten früher bekannt dafür, Süßigkeiten an Kinder zu verteilen, doch Piraten nahmen von dieser Tätigkeit Abstand, als man sie zu verfolgen begann.

Am 19. September feiern die Pastafaris den "Sprich-wie-ein-Pirat-Tag", an dem man sich wie ein Pirat verkleiden und jedem Satz ein "Arrr" als Schlusswort hinzufügen soll. Pastafaris werden an diesem Tag zu Missionierungsaktionen aufgerufen, da Grog selbst die hartnäckigsten Menschen zum Pastafarianismus bewegen könne. Angeblich finden rund 50 Prozent der jährlichen Beitritte zum FSMismus an diesem Tag statt. Dieser Tag wird auch in den bekannten MMORPGs World of Warcraft und Guild Wars gefeiert.

Der heiligste Feiertag der Pastafaris ist der Freitag, welcher jede Woche stattfindet. An diesem Tag soll man es als Pastafari ruhig angehen lassen. Der Freitag steht für die Jenseitsvorstellungen der Pastafaris — den Biervulkan und die Strippermanufaktur.

Außerdem zählen alle kommerziell ausgeschlachteten Feiertage zu den Festtagen. Viele Geschäfte verwenden nicht den Slogan "Fröhliche Weihnachten", sondern "Frohe Festtage" (engl.: "Happy Holidays", siehe oben). Dies ist für Pastafaris ein Zeichen der wachsenden Ausbreitung ihrer Religion.

Kopfbedeckung

Im deutschen Sprachraum erhielt der Pastafarianismus im Juli 2011 größere Aufmerksamkeit, als sich der österreichische Atheist Niko Alm für sein Führerscheinfoto mit einem Nudelsieb als Kopfbedeckung hatte ablichten lassen. Er wollte damit ein Privileg kritisieren, das Mitgliedern von Religionsgemeinschaften gegenüber Nicht-Mitgliedern gewährt werde. In Österreich existieren jedoch keine diesbezüglichen Regelungen für Führerscheine, es muss lediglich das Gesicht vollständig erkennbar sein (§ 2 Abs 1 Z1 lit. h Führerscheingesetz-Durchführungsverordnung). Der Führerschein wurde nach einer Vorladung zum Amtsarzt drei Jahre nach Beantragung 2011 abgeholt. Bei Rüdiger Weida, der sich in Deutschland mit Piratentuch auf dem Führerschein ablichten ließ, war der religiöse Bezug hingegen eindeutig.

Der Belgier Alain Graulus beantragte 2013 einen Personalausweis mit einem Foto, das ihn mit türkisfarbenem Nudelsieb aus Kunststoff als Kopfbedeckung zeigt. In Belgien ist das Tragen von Kopfbedeckungen auf Ausweisdokumenten nur gestattet, wenn der Antragsteller dafür religiöse oder medizinische Gründe anführen kann. Graulus beruft sich auf solchen religiösen Schutz mit dem Hinweis auf seine Zugehörigkeit zum Pastafarianismus. Die Einwohnerbehörde der Provinzhauptstadt Hasselt hat die Ausstellung des Dokuments verweigert. Graulus hat danach bei der Anti-Diskriminierungsbehörde interveniert.

Der tschechische Politiker Lukas Novy hat sich in Brno (Brünn) einen vorläufigen Personalausweis ausstellen lassen, auf dessen Foto er das Nudelsieb trug. Auf Intervention des tschechischen Innenministeriums wurde der Personalausweis für ungültig erklärt, da der Glaube an das Fliegende Spaghettimonster nicht als Religion anerkannt ist.

Auch außerhalb Europas gibt es bemerkenswerte Vorfälle: So hat am 2. Januar 2014 in Chautauqua County (New York) Christopher Schaeffer seinen Amtseid als Gemeinderatsmitglied des Pomfret Town Councils mit einem Nudelsieb auf dem Kopf geschworen.

Deutschland lehnt Weltreligion Kirche des Fliegenden Spaghettimonster Anerkennung ab

Eigentlich steht im Grundgesetz, eine Art Befehls-Verfassung, die Religionsfreiheit und auch die Gleichheit vor dem Gesetz. Doch das interessiert die Behörden in Deutschland offenbar wenig.

In der Stadt Templin wurde in Deutschland die erste Kirche des Fliegenden Spaghettimonsters gegründet. Anfangs wurde die Kirche auch auf der Homepage des Dorfes anzeigt — wie die anderen Kirchen auch. Doch auf Druck der Großkirchen wurde der Eintrag entfernt.

2014 wurde die Templiner Gemeinde der Kirche des Fliegenden Spaghettimonsters weltweit bekannt. Damals hatte der Gemeindevorsteher Rüdiger Weida beantragt, an den Ortseingangsstraßen Templins neben den Gottesdiensthinweistafeln der evangelischen und katholischen Kirchen Nudelmessehinweisschilder aufhängen zu därfen. Schließlich gibt es in der uckermärkischen Stadt für Pastafaris — wie sich die Anhänger der Kirche des Fliegenden Spaghettimonsters nennen — ein in seiner Regelmäßigkeit deutschlandweit einmaliges sakraes Angebot: Jeden Freitag um 10.00 Uhr findet in der pastafarianischen Papst Al Zarkawi-Gedächtniskirche eine Nudelmesse statt.

Nach anfänglicher Genehmigung der Schilder durch die zuständige Behörde schaltete sich auf kirchlichen Druck die Landespolitik ein, nahm Einfluss auf behördliche Vorgänge und Weida wurde die Erlaubnis zum Aufhängen der Nudelmessehinweisschilder an eigenen Masten entzogen. Es folgte ein mehrjähriger Rechtsstreit, der inzwischen beim Bundesverfassungsgericht anhängig ist.

Im August 2017 urteilte das Brandenburger Oberlandesgericht in einer Klage auf Anerkennung als Weltanschauungsgemeinschaft negativ. Der Kirche fehle es an einer gemeinsamen Weltanschauung und einem "konsistenten Gedankensystem". Weiter folgerten die Richter: Der Zweck der Kirche bestehe lediglich darin, eine öffentliche Satire der christlichen Religion zu betreiben. Der gesunde Menschenverstand folgert: Das Christentum ist eine öffentliche Satire auf die Evolutionstheorie und kann ebenfalls in keiner Weise bewiesen werden. Also sind beide Kirche gleichberechtigt...

Anders als die anderen Weltreligionen wie die katholische, evangelische, muslimische und jüdischen Kirchen in Deutschland, kommt die Kirche des Fliegenden Spaghettimonsters ganz ohne staatliche Zuschüsse aus.

Update

Karlsruhe, 02.11.2018: Die Kirche des Fliegenden Spaghettimonsters ist vor dem Bundesverfassungsgericht mit dem Ziel, in Deutschland als Religionsgemeinschaft anerkannt zu werden, gescheitert. "Die Verfassungsbeschwerde wird nicht zur Entscheidung angenommen, weil eine weltanschauliche Bestätigung des Beschwerdeführers nicht plausibel gemacht wurde", heißt es in einer Stellungsnahme vom Bundesverfassungsgericht.

Die Kirche will nun vor den Europäischen Gerichtshof ziehen.

Kunst

Religionen, Weltreligion, Kirche, Spaghettimonster, Fliegendes Spaghettimonster Das Bild "Touched by His Noodly Appendage" ("Von seinem nudeligen Anhängsel berührt", links) wurde von Michelangelos Fresko "Die Erschaffung Adams" inspiriert.

Weitere Weltreligionen

In den vergangenen Jahren wurden mehrere Weltreligionen gegründet. Hier die interessantesten:

Diskordianismus, Religionsparodie auf das Heidentum

Eine weitere bekannte Weltreligion mit der Gottheit "Das Unsichtbare rosafarbene Einhorn" (englisch invisible pink unicorn, abgekürzt IPU). Es ist die weibliche Gottheit einer Religionsparodie, die damit theistische Glaubensansichten parodieren will. Zentrales Element ist die Einhorngestalt der Göttin, die paradoxerweise sowohl unsichtbar als auch rosafarben sein soll. Die Idee stammt aus der englischsprachigen Newsgroup alt.atheism, wo die Figur am 18. Juli 1990 erstmals erwähnt wurde.

Literatur

Bobby Henderson: Das Evangelium des Fliegenden Spaghettimonsters. (Originaltitel: The Gospel of The Flying Spaghetti Monster übersetzt von Jörn Ingwersen). Goldmann Manhattan, München 2007, ISBN 978-3-442-54628-2 (Taschenbuchausgabe: Goldmann Taschenbuch 5462, München 2008, ISBN 978-3-442-54262-8)

Daniela Wakonigg / Winfried Rath: Das Fliegende Spaghettimonster. Religion oder Religionsparodie? Alibri, Aschaffenburg 2017, ISBN 978-3-86569-272-6.