Werwolf, Vampire, Dracula, Vlad Tepes, Pfähler

Vampire

Der Vampir (auch Vampyr) ist im Volksglaube und in der Mythologie eine blutsaugende Nachtgestalt. Dabei handelt es sich meist um einen wiederbelebten menschlichen Leichnam, der sich von menschlichem oder tierischem Blut ernährt. Je nach Kultur besitzt der Vampir auch verschiedene übernatürliche Kräfte.

Manchmal bezeichnet man auch nichtmenschliche Gestalten als Vampire, z.B. Vampirfledermäuse (Desmodontinae), die sich als einzige Säugetiergruppe ausschließlich vom Blut anderer Tiere ernährt. Nicht zu vergessen: Blutegel und Zecken. Hämatophagie bezeichnet die Ernährungsweise einiger Tiere von Blut.

Die Herkunft des Begriff Vampir ist nicht vollständig geklärt. Spätestens 1732 tauchte die Bezeichnung Vampire in der internationalen Literatur auf. Entstanden ist der Glaube an Vampire wohl in südosteuropäischen Raum. Vampiren schrieb man die Schädigun Einzelner oder ganzen Dorfgemeinschaften durch Krankheit, Missernten usw zu.

Aber es gibt noch viel ältere Berichte über Pfählungen: Zum Beispiel der Glaube, das ungetauft gestorbene oder totgeborene Kinder nicht in den Himmel kommen. Um ihre Rückkehr zur Erde zu verhindern, durchstieß man die kleinen Körper meist mit einem Pfahl, wie aus dem Bußbuch Burchards von Worms (965-1025) hervorgeht.

Auch im 1487 erschienenen Malleus Maleficarum (Hexenhammer) warnte man vor Vampiren und empfahl sie zu exhumieren und ihnen den Kopf abzuschlagen. Dort heißt es: "Einer von uns Inquitisoren fand einen Ort, der infolge der Sterblichkeit unter den Menschen fast verödet war. Dort ging das Gerücht, daß ein vergrabenes Weib das Leichentuch, in welchem sie begraben war, nach und nach verschlinge, und die Pest nicht aufhören könnte, wenn jene nicht das Leichentuch ganz verschlänge und in den Bauch aufnähme. Nachdem ein Rat darüber abgehalten war, gruben der Schulze und der Vorsteher der Gemeinde das Grab auf und fanden fast die Hälfte des Leichentuches durch Mund und Hals hindurch bis in den Bauch gezogen und verzehrt. Als der Schulze das sah, zog er in er Erregung das Schwert, schlug der Leiche das Haupt ab und warf es aus der Grube, worauf die Pest plötzlich aufhörte.

Im Volksglaube war der ursprüngliche Vampire nicht blutsaugend, sondern er entstieg als Untoter seinem Grab. Fand man im verdächtige Grab (schiefes Kreuz oder Mäuseloch) ein nicht verwester Leichnam, wurde er nochmals getötet und verbrannt.

In anderen Ländern legte man Seife, Rasierer und Spiegel als Grabbeilage ins Grab, damit der Verstorbene keinen Grund hat, als Untoter sein Grab zu verlassen. Teilweise wurden Toten ein glühendes Eisen in das Herz gerammt, um zu verhindern, das er sich in einen Untoten verwandelt. Ähnliche Mythen über Vampire fnden sich überall auf der Welt, von Afrika bis Europa und China.

Der älteste Bericht über einen Vampire stammt aus dem Jahre 1652, wo der Bauer Jure Grando, der 1672 aus seinem Grad gestiegen sein und das Dorf terrorisiert haben soll. Die Berichte darüber nahm auch Johann Joseph von Görres in seinen mehrbändiges Werk Die christliche Mystik (1836-42) auf.

Zwischen 1718 und 1732 wurden aus osteuropäischen Dörfern regelrechte Vampireepidemien gemeldet.

Vom Vampirglaube abgeleitet wurde der Vampirismus, der auf dem Aberglaube beruht, dass das Trinken von Blut, als Essenz des Lebens, lebensspendend sei. Bekannt wurde die "Blutgräfin" Erzsébet Báthory (Elisabeth Bathory), die aus einer ungarischen Adelsfamilie stammte. Sie soll nach dem Tod ihres Ehemannes im Blut von über sechshundert durch Versprechen auf ihr Schluss gelockten jungfräulichen Dienstmädchen gebadet haben, um sich jung zu halten. Die Behauptungen wurden allerdings nie belegt. Gebracht hat es auch nichts, denn sie starb wie alle anderen auch.

Der moderne Glaube an Vampire

Den modernen Vampirglaube erfand wohl Abraham "Bram" Stoker (1847-1912), der 1890 den ungarischen Professor Arminius Vámbéry, der ihm von der Legende des rumänischen Fürsten Vlad III. (Vlad Tepes, Vlad der Pfähler) erzählte. Aus diesem Charakter entwickelte Stoker die Figur des Vampirs Dracula. Sieben Jahre arbeitete Stoker an diesem Vampirroman, bis er am 18. Mai 1897 veröffentlicht wurde.

Das Internet verbreitete den Vampireglaube schließlich überall auf der Welt. Aufsehen erregte 2005 ein Fall, der sich im rumänischen Dorf Marotinu de Sus zutrug. Dabei wurde der Körper eines verstorbenen Dorfbewohners ausgegraben. Dieser wurde verdächtige, nachts als Strigoi — die lokale Form des Vampirs — sein Unwesen zu treiben. Familienangehörige schnitten dem Leichnam das Herz heraus, verbrannten es, lösten die Asche in Wasser auf und tranken die Lösung.

Erklärungsversuche zum Vampireglaube

Missbildungen wurde seit jeher einem dämonischen Herkunft zugeschrieben. Krankenheiten wie die Stoffwechselstörung Porphyrie könnten weiter zur Vampirlegende beigetragen haben. Bei Porphyrie-Kranken bildet sich durch eine Störung der Häoglobinbildung sogenannte Popphyrine. Diese Störung in der Produktion des roten Blutfarbstoffes führt bei den Erkrankten zu einer extremen Lichtempfindlichkeit, die entweder durch einen geerbten Genderekt oder durch Vergiftung z.B. durch Blei oder anderen Chemikalien verursacht wird. Dabei kommt es zu regelmäißen Bauchkrämpfen, Depressionen, in schweren Fällen auch zum Schrumpfen von Lippen und Gaumen und hervortretenden Zähnen führt, wobei die Zähne durch einen Belag immer blutrot gefärbt markant auffallen. Bei der synchron auftretenden Lichtempfindlichkeit kann es vorkommen, das Nase und Finger der Erkrankten unter dem Einfluss von Sonnenlicht verkrüppeln. Der im Vampireglaube häfig zitierte Knoblauch ist für Porphyrie-Kranke Gift, denn durch das darin enthaltene Diakylsulfid werden die Symptome verschlimmert.

Der englische Anatomie-Professor Dr. Herbert Mayo vom King's College in London stellte im vergangenen Jahrhundert fest: "Die universell verbreitete Erzählungen von nur scheinbar Toten, die aber in Wirklichkeit als Blutsauger ihr schauriges Wesen treiben, beruhen sicherlich auf zumindest teilweise wahren Begebenheiten". Dennoch glaubte er nicht daran. 1851 schrieb er: "Im sogenannten Vampirzustand Aufgefundene waren alle keine abnormen Wesen, sondern einfach noch Lebende oder Tote, die noch nach ihrem Begräbnis eine gewisse Zeit gelegt hatten, also scheintot beerdigt wurden; mit anderen Worten, lebendig Begrabene, die durch Unweisenheit oder Fahrlässigkeit auf grausame Weise erst in ihrem eigenen Grab starben, oder in seltenen Fällen daraus noch einmal befreit wurden".

Auch die genetische Hautkrankheit Xeroderma pigmentosum (XP) könnte Grund für den Vampirglauben sein. Bei dieser Art von Hautkrankheit sind UV-Strahlen der Sonne nahezu tödlich. Rund 2.000 Menschen gibt es zur Zeit, die daran erkrankt sind. Im amerikanischen Stanfordville (Bundesstaat New York) gibt es das "Camp Sundown", in dem Kinder, die an dieser Erbkrankheit leiden, leben. Bei gesunden Menschen repariert der Organismus (Reparaturenzyme) die durch UV-Einstrahlung oder Karzinogene (Zigarettenrauch, Grillfleisch, Schokolade) geschädigte Erbstubstanzen der Hautzellen von selbst. XP-Patienten haben diese Möglichkeit nicht. Bei ihnen können sich die normalen Zellen in kürzester Zeit zu bösartige Krebszellen mutieren. Die Experten streiten sich noch darüber, woher diese Krankheit stamme. Manche meinen, die radioaktive Strahlung sei Schuld daran.

Man kennt heute auch die Erbkrankheit hypohidrotische Ektodermaldysplasie, die die Zähne des Betroffenen kurz und stumpf wachsen läßt. Einzige Ausnahme besteht in den Eckzähnen, die dadurch länger und spitzer erscheinen.

Der Glaube, daß der Vampir Blut trinkt, deckt sich mit Morphaea, einer Form der Hautkrankheit Sklerodermie, die zu einer bläulich-violetten Verfärbung der Haut führt. Das geschieht so stark, daß man den Eindruck gewinnt, der Erkrankte habe Blut getrunken und sich den Mund nicht abgewaschen, d.h. das Blut sei rund um den Mund getrocknet.

Werwölfe

Der Werwolf ist in der Mythologie, Sage und Dichtung ein Mensch, der sich in einen Wolf verwandeln kann. Die meisten Sagen berichten von Männern, die einen Pakt mit dem Teufel eingegangen snd und von ihm einen Gürtel aus Wolfsfell erhielten, mit dessen Hilfe sie sich verwandeln konnten.

Berichte über Lykanthropie (vom griech. lykos Wolf und anthropos Mensch), das heißt über Verwandlungen zwischen Mensch und Wolf sind in fast jedem Zeitalter zu finden. Zwitterwesen wurden schon in Höhlenmalereien festgehalten.

Ältestes schriftliches Zeugnis ist das Gilgamesch-Epos, in dem die Göttin Ištar einen Schäfer in einem Wolf verwandelt (Tafel 6, Vers 58-61).

Auch bei Herodot und Plato findet sich die Vorstellung einer Verwandlung in einen Werwolf. Nach ihnen verwandeln sich gewisse Menschen von Zeit zu Zeit in Wölfe und fressen in dieser Gestalt andere Menschen. Den Glauben an Werwölfe fand Bonifacius um das Jahr 740 auch bei den heidnischen Sachsen, er dürfte also auch bei den Germanen ursprünglich sein.

Zwischen den Jahren 1520 und 1630 hielt man alleine in Frankreich rund 30.000 Menschen für einen Werwolf. Viele von ihnen wurden verhört und der Folter unterzogen und wenn sie ihre Schuld gestanden, starben sie auf dem Scheiterhaufen. Verbrannt bei lebendigem Leibe. Wobei die Zahl von Forschern als übertrieben angesehen wird.

Nach einer Reihe von Werwolf-Prozessen im Herzogtum Burgund fand 1589 in Bedburg bei Köln ein Werwolfprozess statt. Dabei wurde der Bauer Peter Stubbe (auch Stübbe oder Stump) zusammen mit seiner Tochter und seiner Geliebten hingerichtet, weil er angeblich mindestens 13 Kinder umgebracht und sich an zwei Mädchen vergangen habe. Ob es sich dabei wirklihc um einen Werwolfprozess gehandelt hat oder um ein inszeniertes Gerichtsverfahren gegen einen politisch unbequemen Mann, ist umstritten.

Erklärungsversuche zum Glaube an Werwölfe

Im Artikel über den Vampirglaube (oben) haben wir bereits über die Krankheit Porphyrie gehölrt, die unter Umst&aul;nden den beschriebenen Werwolfeigenschaften ähneln.

Im 16. Jahrhundert lebte Petrus Gonsalvus. Er litt unter der Hypertrichosis (Hypertrichose), einer seltenen Erbkrankheit, die man durch eine starke Körperbehaarung erkennt, die sich auch im Gesicht deutlich abzeichnet. Vielfach nannte man solche Personen "Wolfsmenschen". Aber das störte Gonsalvus wenig. Er heiratete eine schöne Pariserin und die beiden bekamen zwei Kinder, die die Krankheit auch erbten.

Der Glaube an Werwölfe könnte mit verschiedenen Krankheiten erklärt werden. Wir haben schon die Lykanthropie angesprochen, die erstmals von dem Gelehrten Marcellus Sidetes im 2. Jahrhundert v. Chr. beschrieben wurde, also der Glaube eines Menschen, er könne sich in ein Tier verwandeln. Es gibt aber noch mehr, wie z.Bsp. das Hautleiden Imperigo, das ein chronischer Schorf bildet. In Verbindung mit starkem Haarwuchs erscheint der Erkrankte wie ein Werwolf und angsteinflößend.

— rs —