Tonbandstimmen, Instrumentelle Transkommunikation, Spiritismus, Verstorbene, Jenseits

Instrumentelle Transkommunikation: Tonbandstimmen

Bei den sogenannten Tonbandstimmen (engl. elektronic voice phenomenon, EVP) glauben Anhänger im Rauschen von Tonbändern Stimmen von Verstorbenen oder Geistwesen zu identifizieren. Man schätzt die Zahl der Anhänger von Tonbandstimmen in Deutschland etwa auf 1.500 "Tonbandstimmenforscher". Viele davon sind in dem 1975 gegründeten Verein für Transkommunikations-Forschung (VTF) e.V.

Der Begriff Tonbandstimmen ist veraltet. Heute verwendet man den Begriff Instrumentelle Transkommunikation (ITK) — Das Wort "Trans" stammt aus dem Lateinischen und bedeutet soviel wie: hindurch, darüber, hinaus oder jenseits; Den Begriff "Kommunikation" kann man wörtlich nehmen — Der Duden erklärt ihn mit: "Verständigung untereinander, Umgang, Verkehr, Verbindung, Zusammenhang". Die Instrumentelle Transkommunikation oder Tonbandstimmen stellen die moderne Version des Spiritismus dar.

Beim "Einspielen" (aufnehmen) von Tonbandstimmen stellt man im Radio eine Frequenz zwischen zwei Sendern ein, in der nur Rauschen zu hören ist. Durch die vielen Störungen von Funkwellen tauchen verzerrte Satzfetzen oder einzelne Wörter aus anderen Radiosendungen auf. In diesen Störungen sehen Tonbandstimmenforscher die Stimmen von Verstorbenen. Aussenstehende können in den Störungen selten etwas heraushören. Wenn man aber vorher gesagt bekommt, was man in dem Rauschen hören soll, wird man es auch hören.

Unter wissenschaftlichen Laborbedingungen konnten bisher keine Auffälligkeiten reproduziert werden, die über die Auswirkung technischer Unzuänglichkeiten der Aufnahmegeräte hinausging.

Technik

Der Begriff Tonbandstimmen stammt noch aus der Zeit, als man Aufnahmen mangels technischer Alternativen lediglich mit Tonbandstimmen aufnehmen konnte. Später folgten Kassettenrekorder (auf Musikkassetten). Heute verwendet man moderne Technik wie spezielle PC Programme.

Heute gibt es verschiedene Möglichkeiten, Tonbandstimmen einzufangen:

→ Aufzeichnung bei völliger Stille durch Aufnahmegerät mit angeschlossenem Mikrofon (Mikrofon-Methode)

→ Aufzeichnung eines oder mehrerer zumeist fremdsprachiger Rundfunksendungen mit oder ohne Mikrofon (Radio-Methode)

→ Aufzeichnung eines Rundfunkgeräts, das auf eine Frequenz ohne Sender eingestellt ist und daher ein Rauschen ("weißes Rauschen") erzeugt

→ Aufzeichnung des Erzeugnisses eines speziellen Computerprogramms (z. B. EVPMaker), das zuvor eine beliebige Audiodatei (*.wav) nach dem Zufallsprinzip in kleine Segmente zerteilt und neu zusammengesetzt hat (Sprachsynthese-Methode, Phonem-Synthese-Methode)

Geschichte

Friedrich Jürgenson

Erfunden wurden die Tonbandstimmen von dem schwedischen Kunstmaler und Opernsänger Friedrich Jürgenson (1903-1987), der 1959 mit seinem Tonbandgerät Aufnahmen von Vogelstimmen machte und nach mehrmaligem Anhören der Bänder glaubte, neben den Vögeln auch Stimmen zu hören, welche ihn persönlich ansprachen ("Friedrich, du wirst beobachtet"). Später glaubte er zu hören: "jenseitige Freunde" oder "Hier sprechen die Toten zu dir, du hörst die Stimmen der Jenseitigen".

Jürgenson widmete sich ganz der Erforschung dieser Tonbandstimmen. Er sprach mit Psychologen, Physiker und Rundfunktechniker. Nach mehreren Experimenten fixierte sich Jürgenson auf die Empfangsfrequenz zwischen 1445 und 1500 Kilohertz. Die Frequenz 1485 kHz wird heute als "Jürgenson-Freqzenz" bezeichnet. Im Jahr 1967 veröffentlichte er sein Buch Sprechfunk mit Verstorbenen.

Der deutsche Parapsychologie Papst Hans Bender reiste im Sommer 1964 mit einigen Kollegen nach Schweden, um das Tonbandstimmenphänomen und deren Entdecker Jürgenson kennenzulernen und Vorversuche anzustellen. Die ersten Tests waren erfolgreich, weswegen Bender 1970 erneut nach Schweden kam, diesmal mit umfangreicher Ausrüstung — einem Oszilloskop, Tonbandgeräten verschiedenen Typs, spezielle Richtmikrofone, Videorekorder und mehr —, um neue Versuchsreihen durchzuführen.

Während einem der Versuche in Schweden hatte Bender an den Namen einer Freundin gedacht — Brigitte Rasmus. Beim Abspielen des Bandes hörte man genau an der Stelle eine Stimme "Rasmus" flüstern. "Ich war der einzigste Anwesende, der diesen Namen kannte", meinte Bender. Das sichtbare Sprachdiagramm aber zeigte nach Bender, daß das Wort objektiv ausgesprochen wurde und die Analyse des unabhängigen Gutachters Jochem Sotscheck ergab, daß Bender es nicht geflüstert haben konnte. Mehrere gleichzeitig gemachte Bandaufnahmen haben das gleiche Wort registriert, und die Tonanalyse ergab, daß es nicht von der Stelle des Zimmers kam, wo Bender sich befand.

Bender bestätigte die Existenz dieses Phänomens, aber nicht weiter untersuchte, weil die erzielten Ergebnisse den strengen Anforderungen der verwendeten Analyseverfahren nicht genügten.

Als ein Jürgenson-Schüler seine eigenen "Tonbandstimmen" der Parapsychologischen Gesellschaft vorspielte, identifizierte man die Einspielungen unter dem Mittelwellenrauschen Bruchstücke aus einer bekannten und beliebten Rundfunksendung.

Konstantin Raudive

Auch der lettische Schriftsteller und ehem. Professor für Psychologie an den Universitäten Uppsala und Riga, Dr. Konstantin Raudive (1909-1974) befasste sich lange Jahre mit den Tonbandstimmen, nachdem er 1964 Friedrich Jürgenson kennengelernt hatte. 1968 veröffentlichte er sein Buch Unhörbares wird hörbar.

Wie Jürgenson wollte Raudive das Phänomen näher untersuchen und machte mit der Mikrofonmethode im M&aumL;rz 1971 auch Einspielungen in einem Faradayischen Käfig im abgeschirmten Laboratorium der Firma Belling & Lee Ltd. (London), einer Firma die auch für das Verteidigungsministerium arbeitete. Skeptiker bezweifelten die getroffenen Vorkehrungen, um Einflüsse auszuschließen.

Ernst Senkowski

Der im Ruhestand lebende Hochschuldozent für Physik und Elektrotechnik (an der Fachhochschule Mainz), Professor Dr. Ernst-Otto Senkowski (1922-2015) prägte den Begriff der instruentellen Transkommunikation. Senkowski befasste sich mehr als 20 Jahre mit den Tonbandstimmen.

Senkowski ging etwas anders als die Pioniere Jürgenson und Raudive vor: "Ich begann genauso konventionell wie mein Bekannter, der mir erste Hinweise gab. Er hatte mir empfohlen, auf Kurzwelle ein Stimmengemisch, möglichst von fremdsprachigen Sendern verursacht, einzustellen, die aufzuzeichnen und das Ganze später auf deutschsprachige Wort- und Satzinhalte hin abzuhören. Ich habe dann ziemlich rasch erfahren müssen, dass sich das Zumischen nur eines einzigen Tones im Niederfrequenzbereich auf die Stimmenbildung irgendwie positiv auswirkt. Bei diesem Verfahren bis ich im wesentlichen bis 1980/81 geblieben... Nachdem ich variable Tonbandgeneatoren gebaut hatte, konnte ich damit Töne zumischen, die nicht unbedingt konstant sein mussten, sondern die auch teilweise frequenz- oder amplitudenmoduliert waren. Allmählich gewann ich den Eindruck, dass dieses Verfahren nochmals zu einer Verbesserung des gesamten Stimmenangebotes führte."

Johannes Hagel

Der Wiener Physiker Johannes Hagel (Zeitschrift für Anomalistik 1+2/2002) vermutet infolge seiner Experimente zur Frage der systemerhaltenden Rolle von Zufallsprozessen in maschinellen Systemen, dass jemand, der Tonbandstimmen einspielt, sich mit komplexen Zufallsprozessen in seiner unmittelbaren Umgebung in Verbindung setzt. Diese Zufallsprozesse würden durch den Vorgang der Einspielung das Zustandekommen von sprachähnlichen oder sprachartigen, akustischen Sequenzen bewirken, deren Bedeutung (bezugnehmende Aussagen) einer Einwirkung auf die einspielende Person entsprächen. Hagel betont, dass über diese Phänomenologie hinaus immer noch ein großer Erklärungsbedarf bleibe, insbesondere hinsichtlich des Mechanismus dieser akausalen Korrelation.

Probleme der Tonbandstimmen (Instrumentelle Transkommunikation)

Viele Tonbandstimmenforscher berichten, das sie irgendwann nicht mehr das Tonband brauchten, um ihre Geisterbotschaften direkt zu hören. Andere begannen, wirklich "Geister" zu sehen. Dies steigerte sich, bis manche das Gefühl hatten, von Geistern berührt zu werden oder von ihnen belästigt zu werden. In manchen Fällen wurden die Botschaften immer bösartiger oder auch obszön. Im Fachjargon spricht man von der mediumistischen Psychose. Viele Psychologen und Berater kennen dieses Okkultsyndrom gar nicht, weswegen es immer wieder zu Fehldiagnosen und Behandlungsfehler kommt.

— pe —