Homöopathie

November 24, 2017

Die Homöopathie (von altgriechisch gleich, gleichartig, ähnlich und Leid, Schmerz, Affekt, Gefühl, wörtlich etwa "ähnliches Leiden") ist eine alternativmedizinische Behandlungsmethode, die auf den ab 1796 veröffentlichten Vorstellungen des deutschen Arztes Samuel Hahnemann beruht.

Die namensgebende Grundannahme der Homöopathie ist das von Hahnemann formulierte Ähnlichkeitsprinzip: "Ähnliches möge durch Ähnliches geheilt werden" (similia similibus curentur, Hahnemann). Danach solle ein homöopathisches Arzneimittel so ausgewählt werden, dass die Inhaltsstoffe der Grundsubstanz unverdünnt an Gesunden ähnliche Krankheitserscheinungen (Symptome) hervorrufen könnten wie die, an denen der Kranke leidet, wobei auch der "gemüthliche und geistige Charakter" des Patienten berücksichtigt werden solle. Hierzu wurden von Hahnemann und seinen Nachfolgern ausgedehnte Tabellen (Repertorien) erstellt, mit deren Hilfe der Homöopath den Patienten und seine Krankheitserscheinungen einem Arzneimittelbild zuordnen soll.

"Jedes wirksame Arzneimittel erregt im menschlichen Körper eine Art von eigner Krankheit, eine desto eigenthümlichere, ausgezeichnetere und heftigere Krankheit, je wirksamer die Arznei ist. Man ahme der Natur nach, welche zuweilen eine chronische Krankheit durch eine andre hinzukommende heilt und wende in der zu heilenden (vorzüglich chronischen) Krankheit dasjenige Arzneimittel an, welches eine andre, möglichst ähnliche, künstliche Krankheit zu erregen im Stande ist und jene wird geheilet werden; Similia similibus." SAMUEL HAHNEMANN, 1796.

Zur Herstellung der homöopathischen Arzneimittel werden die Grundsubstanzen einer Potenzierung (Verdünnung) unterzogen, bedeutet, sie werden wiederholt (meist im Verhältnis 1:10 oder 1:100) mit Wasser oder Ethanol verschüttelt oder mit Milchzucker verrieben. Viele Heilpraktiker und einige Ärzte arbeiten in Deutschland auch mit den Verdünnungen 1:10.000 und 1:1.000.000 (D4 und D6). D30 zum Beispiel bedeutet, das der Wirkstoff dreißig Mal um das Zehnfache verdünnt wurde. Die Verdünnung wurde zunächst wegen der Giftigkeit vieler der verwendeten Stoffe durchgeführt. Erst in einer späteren Phase verordnete Hahnemann Hochpotenzen. Hahnemann nahm an, dass durch das besondere Verfahren der Potenzierung oder "Dynamisierung" eine "im innern Wesen der Arzneien verborgene, geistartige Kraft" wirksam werde. Zur Begründung der Hochpotenzen ging er davon aus, dass sich hier "die Materie ... roher Arznei-Substanzen ... zuletzt gänzlich in ihr individuelles geistartiges Wesen auflöse".

Diese behauptete selektive Steigerung erwünschter Wirkungen durch die Prozeduren des Potenzierungsverfahrens, die von einigen Autoren auch als "rituell" bezeichnet werden, widerspricht naturwissenschaftlichen Erkenntnissen und dem Grundprinzip der evidenzbasierten Medizin. Die Homöopathie wird daher zu den Pseudowissenschaften gezählt. Auch das hahnemannsche Ähnlichkeitsprinzip ist wissenschaftlich nicht haltbar. Klinische Studien nach wissenschaftlichen Standards konnten keine über den Placebo-Effekt hinausgehende Wirksamkeit homöopathischer Arzneimittel nachweisen. Erfolge einer Behandlung werden somit ihrem Umfeld, nicht dem Mittel selbst zugeschrieben, etwa dem Glauben des Patienten an die Wirksamkeit der Behandlung (Autosuggestion) oder der Qualität der Beziehung zwischen Therapeuten und Patienten. Der Fachbereich Humanmedizin der Philipps-Universität Marburg verwarf die Homöopathie 1992 im Rahmen der "Marburger Erklärung zur Homöopathie" als "Irrlehre".

Die Idee der Homöopathie ist nicht neu, sondern wurde schon bei Hippokrates erwähnt: "Die Krankheit entsteht durch Einflüsse, die den Heilmitteln ähnlich wirken, und der Krankheitszustand wird beseitigt durch Mittel, die ihm ähnliche Erscheinungen hervorrufen." HIPPOKRATES VON KOS (460 v. Chr. — um 370 v. Chr.)

Im Jahr 2013 wurden in Deutschland Homöopathika für 482 Mio. Euro umgesetzt; das entspricht 8,1 Prozent aller rezeptfreien Arzneimittel. Davon wurden 20 % von einem Arzt oder Heilpraktiker verordnet, 80 % wurden direkt vom Anwender in der Apotheke gekauft. Bei einer 2009 in Deutschland durch das Allensbach-Institut durchgeführten Erhebung brachten 17 % der Befragten homöopathische Arzneimittel mit dem Verdünnungs- oder Ähnlichkeitsprinzip in Verbindung.

Immer mehr Krankenkassen sind bereit für homöopathische Mittel zu erstatten.

Homöopathie: Medikamente ohne Wirkung

Bis heute werden in der Homöopathie Arzneimittelprüfungen durchgeführt, die jedoch keineswegs arzneimittelrechtlichen Medikamentenstudien gemäß dem Arzneimittelgesetz entsprechen, sondern nach Hahnemanns Vorgaben durchgeführt werden: Homöopathische Prüfer, die gesund sein müssen, nehmen ein Mittel ein und notieren anschließend alle Veränderungen und Reaktionen, die sie an sich feststellen.

Die aufgezeichneten Symptome mehrerer solcher Prüfungen werden zu einem homöopathischen Arzneimittelbild zusammengefasst und in Verzeichnissen geordnet. Je nach Ordnungskriterium handelt es sich dabei entweder um Arzneimittellehren (nach Mitteln geordnet) oder um Repertorien, die nach Symptomen zusammengestellt werden.

Diese Prüfungen wurden bereits im 19. Jahrhundert als "höchst unwissenschaftlich" kritisiert. Ihre "Kunst" bestehe darin, "durch wirksame oder giftige Arzneistoffe, lange vor Hahnemann bekannte Erscheinungen und Vergiftungssymptome hervorzurufen, welche allerdings dieser oder jener Krankheit, oft aber auch mehreren und sehr verschiedenen Leiden zukommen". Schon 1927 war in den Originalschriften von Samuel Hahnemann zu finden, dass Berichte von nicht weniger als 716 Symptomen vorlägen, die Hahnemann durch Reiben mit Magneten an Personen erhalten habe. Eine von einigen Homöopathen durchgeführte Untersuchung von Arzneimittelprüfungen der Jahre 1945 bis 1995 ergab, dass diese Prüfungen sehr unterschiedlich gehandhabt wurden und meist von sehr niedriger Qualität waren.

Es gibt keine einheitlichen Vorschriften für Arzneimittelprüfungen, lediglich Empfehlungen.

Offizielle Anerkennung der Homöopathie

In Deutschland erlebte die Homöopathie seit Mitte der 1970er Jahre mit der Zunahme der Beliebtheit alternativer Heilmethoden bei Laien wieder einen Aufschwung. Zu dieser Zeit waren etwa 200 Homöopathen in Westdeutschland tätig. Bis 1993 stieg die Zahl auf 2.212 homöopathisch behandelnde Ärzte. 1978 erkannte der deutsche Gesetzgeber im Arzneimittelgesetz die Homöopathie, neben der Anthroposophisch erweiterten Medizin und der Phytotherapie, als "Besondere Therapierichtung" an. Die Mittel der besonderen Therapierichtungen können zugelassen und dürfen verordnet werden, auch ohne dass für sie ein Wirksamkeitsnachweis erbracht wurde.

Nach der deutschen Wiedervereinigung wurde mit Unterstützung der Karl und Veronica Carstens-Stiftung am 28. April 1990 eine erste "Weiterbildungsveranstaltung" zur Homöopathie für Ärzte in Wittenberg durchgeführt. In Zusammenarbeit mit der Fakultät für Geistes-, Sozial- und Erziehungswissenschaften der Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg hat der Deutsche Zentralverein homöopathischer &Aauml;rzte ein Konzept für einen berufsbegleitenden zweijährigen Masterstudiengang "Wissensentwicklung und Qualitätsförderung in der homöopathischen Medizin — Integrated Practice in Homoeopathy" für Ärztinnen, Ärzte und andere approbierte Heilberufe erarbeitet, der mit dem Erwerb eines Master of Arts abgeschlossen werden soll. Es fand sich jedoch bislang keine Hochschule, die diesen Studiengang umsetzen wird.

Erschreckend: Zurzeit gibt es in Deutschland etwa 60.000 Ärzte, die homöopathische und anthroposophische Arzneimittel regelmäßig verordnen. Homöopathische Arzneimittel sind in Deutschland apothekenpflichtig.

Laut einer Umfrage des Instituts für Demoskopie Allensbach aus dem Jahre 2014 haben 60 % der Befragten bereits Homöopathika gegen diverse Indikationen eingenommen. Fast die Hälfte (48 %) berichten von uneingeschränkt positiven Heilerfahrungen. Während 1970 nur knapp jeder vierte Westdeutsche schon einmal selbst Homöopathika genommen hatte (24 Prozent), stieg inzwischen der Anteil in Deutschland mit 60 Prozent auf das 2,5-fache. Nur ein kleiner Teil der Bevölkerung (12 %) schließt die Verwendung homöopathischer Arzneimittel für sich aus.

Homöopathie weltweit

Heute ist die Homöopathie in fast allen Ländern der Erde vertreten. Weltweit liegt der Umsatz mit homöopathischen Arzneimitteln geschätzt in einer Größenordnung von 2 Milliarden Euro. Das sind weniger als ein Prozent des gesamten Arzneimittelmarkts. Die größten Märkte sind Frankreich, USA, Deutschland und Indien. Die Hälfte des Homöopathie-Marktes entfällt auf Europa.

In Großbritannien forderte ein Ausschuss des Unterhauses Anfang 2010 aufgrund fehlender Wirkungsnachweise, Homöopathie nicht mehr mit öffentlichen Mitteln zu finanzieren. Trotz der Empfehlungen des Ausschusses hat die Regierung Großbritanniens beschlossen, die Homöopathie weiterhin über das NHS bezahlen zu lassen. Sie stimmt zwar weitgehend mit den Einschätzungen des Ausschusses überein, glaubt aber, dass der informierte Patient und sein Arzt in der Lage seien, die geeignete Behandlung zu finden. Dies schließe auch eine alternative Methode wie die Homöopathie ein. Die Lobby der Pharma-Industrie lässt grüßen.

In der EU gibt es schätzungsweise 50.800 Anbieter homöopathischer Medizin, davon 45.000 Ärzte.

Fazit

Die Wirksamkeit der Homöopathie konnte in einer der zahlreichen Studien bewiesen werden. Bedenkt man die teilweise Verdünnung — etwa das Auflösen einer Kopfschmerztablette im Atlantik — ist das auch nicht zu erwarten. Warum die Homöopathie in der heutigen Zeit einen solchen Zuspruch erfährt ist für den gesunden Menschenverstand nicht greifbar. Die Pharma-Industrie setzt Milliarden um, auch mit wirkungslosen Medikamenten, z.B. Placebo oder Hustenmittel. Viele Ärzte sind Aktionäre von Pharma-Konzernen.

Im Jahr 2011 wurden in Deutschland Homöopathika fü:r 389 Millionen Euro umgesetzt, weltweit etwa 2 Milliarden. Zahlen über den Rohgewinn dabei werden nicht publiziert. Der Endkundenpreis für raffinierten Zucker, der Grundsubstanz der Globuli, beträgt (Stand 2013) ca. 0,65 € pro Kilogramm. Globuli ohne Wirkstoff sind für weniger als 50 € pro Kilogramm erhältlich. Globuli mit homöopathischen Wirkstoffen werden hingegen für durchschnittlich 800 € pro Kilogramm verkauft. Somit bietet die Herstellung von homöopathischen Mitteln enorme Gewinnspannen: Globuli ohne Wirkstoff sind 75 mal wertvoller als das Rohmaterial, und durch das Zusetzen von homöopathischen Wirkstoffen steigert es sich erneut auf das 16-fache (insgesamt das 1.200-fache des Zuckers).

Die Homöopathie wird durch eine massive Lobbyarbeit nach dem Vorbild der übrigen Pharmaindustrie unterstützt. Kritiker der Homöopathie werden dabei zum Teil namentlich an den Netz-Pranger gestellt, und entsprechende Publikationen finanziell gefördert. Der britische Wissenschaftler Edzard Ernst wurde 2005 stark angegriffen, nachdem er öffentlich einen Bericht über Homöopathie als "skandalös und voller Fehler" bezeichnete, nach einer 13-monatigen Untersuchung konnte ihm aber kein Fehlverhalten nachgewiesen werden. Infolgedessen dürfen homöopathische Mittel seit 2010 in Großbritannien nicht mehr als wirksam beworben werden und werden nicht mehr vom NHS gefördert.

Seit Jahren fordern viele: Schluss mit dem Hokuspokus: Homöopathie hat in der Medizin nichts verloren (z.B. Deutsche Welle).

Einen Doktortitel für Homöopathie gibt es schon für 30 Euro per Post.