Der Glaube an Geister und damit Spuk oder Spukerscheinungen setzt voraus, dass es ein Leben nach dem Tod gibt. Vorallem Jugendliche glauben an Geister, dagegen glauben viele Erwachsene oft an unsichtbare Götter.

Geister

Ein Geist oder auch Geistwesen ist nach einer weltweit verbreiteten Vorstellung ein immaterielles oder "feinstoffliches" Wesen, dem übermenschliche, aber begrenzte Fähigkeiten zugeschrieben werden. In religiösen Systemen stehen die Geistwesen in der Rangfolge unter Gott (oder mehreren Göttern). Geister werden in manchen Fällen an materielle Objekte oder Lebewesen gebunden vorgestellt, in anderen Fällen als ungebunden aufgefasst. Geistwesen sind Bestandteil zahlreicher Religionen und Mythen und gelten als Übermittler von Botschaften aus dem Jenseits.

Mit dem Glauben an Geister ist in der Regel die Vorstellung ihrer Beschwörung — das "Rufen" (Geisterbeschwörung), die Kontaktaufnahme in verschiedenen Formen — verbunden. In fast allen schriftlosen Kulturen herrschte traditionell ein kollektiver Geisterglaube und gab es traditionell besondere Spezialisten der Geisterbeschwörung, die heute zumeist vereinheitlichend als Schamanen bezeichnet werden.

Moderne Formen des Geisterglaubens, bei dem die Möglichkeit der Kontaktaufnahme im Mittelpunkt steht, nennt man Spiritismus. Hierzu gehören die individuell und oft nicht religiös verorteten Séancen zur Totenbeschwörung in den westlichen Kulturen, die vor allem um die Wende zum 20. Jahrhundert in einigen Kreisen verbreitet waren, sowie die kollektiven synkretistischen afro-amerikanischen Neureligionen wie Voodoo, Umbanda oder Candomblé. Die Anhänger des Spiritismus wird weltweit auf über 100 Millionen geschätzt.

Typologie von Geister

Unterschieden werden überwiegend Ahnen- und Totengeister (in der englischen Literatur ghosts genannt), die meist von nicht vorschriftsmäßig Bestatteten oder gewaltsam zu Tode Gekommenen, also von Menschen stammen; sowie demgegenüber Naturgeister (engl. spirits), die unabhängig von Menschen in der Natur vorgestellt werden.

Es gibt verschiedene Arten solcher Vorstellungen:

  • Naturgeister, die in Verbindung mit einem bestimmten Ort in der Natur stehen. Dieser Ort kann eine Pflanze, ein Fluss, ein Fels oder auch ein Gewitter sein.
  • Geister der Verstorbenen im Ahnenkult, auch Totengeister oder Gespenst
  • Haus- und Herdgeister, die Haus und Hof beseelen und bewachen
  • Engel und Dämonen in verschiedenen Weltreligionen, teils positiv, teils negativ, teilweise geflügelt.

Geister im (Aber-) Glauben

Die Vorstellung von Geister stehen in direktem Zusammenhang mit der persönlichen Erfahrung des Menschen, sich gleichzeitig als körperliches und geistiges Wesen wahrzunehmen. Die umfangreichen Ergebnisse weltweiter ethnologischer Forschung belegen die große Bedeutung solcher spiritueller Imaginationen bei traditionellen Völkern als notwendige "Verbindungsstücke" bei der Anlage kosmologischer Ordnungsmuster, die als Grundlage für vollständige und schlüssige Weltanschauungen dienen.

Insofern waren vermutlich zu allen Zeiten und in allen Kulturen zumindest Teile der Bevölkerung von der Existenz Geister und unkörperlicher Wesen zutiefst überzeugt. So gelten etwa Engel, Dämonen (Teufel), Totengeister und sogar einige Naturgeister (Beispiel Feldgeister in Bocksgestalt nach Jes. 13,21) auch im Christentum als Realität. Doch auch die Skepsis und Verneinung jenseitiger Wesen hat eine lange Tradition, die sich beispielsweise in der europäischen Geschichte bis ins antike Griechenland zurückverfolgen lässt. Bereits Homer listet praktisch alle Argumente auf, die im Laufe der Zeit für und gegen die Existenz von Geistern verwendet wurden.

In der Philosophie der Aufklärungszeit wird die Existenz Gottes und demzufolge auch von Geistwesen zunehmend angezweifelt. Doch selbst berühmten Philosophen wie etwa Immanuel Kant ("Träume eines Geistersehers" von 1766) gelang es trotz umfangreicher, spitzfindiger Argumentationen nicht wirklich, die "nicht existenten Hirngespinste" zu widerlegen.

Mitte des 19. Jahrhunderts begann die wissenschaftliche Erforschung der Geistererscheinungen in den Industrieländern mit der Gründung der Parapsychologie. Mit Hilfe von sogenannten Medien (Menschen, die behaupten, Botschaften von übernatürlichen Wesen zu empfangen oder anders geartete "nicht-physikalische" Wahrnehmungen zu haben) wurden unter kontrollierten Bedingungen Geisterbeschwörungen durchgeführt. Später wurde die Fotografie zu Hilfe genommen, um solche Erscheinungen sichtbar zu machen und festzuhalten. Bereits im ersten Viertel des 20. Jahrhunderts wurden alle diese Versuche als Betrug entlarvt. In den 1980er Jahren fand in den USA und später in England eine Renaissance des Okkultismus statt, bei dem innerhalb weniger Monate plötzlich viele Menschen behaupten, im Rahmen "satanischer Rituale" sexuell missbraucht worden zu sein. Doch auch die darauf folgenden Untersuchungen von Polizei, Gerichten und Wissenschaftlern erbrachte keinen stichhaltigen Beweis für die Existenz von Geistwesen.

Heute werden historische Beschreibungen von Geistern in den Wissenschaften fast ausschließlich als naturalisierte Metaphern aufgefasst, als Veranschaulichungen für Vorgänge, die sich die Menschen damals nicht erklären, nicht besser beschreiben oder verarbeiten konnten. Auf diese Weise wurden angsteinflößende, verstörende Phänomene für den Verstand be-greif-bar und kategorisierbar — mithin verloren sie viel von ihrer Bedrohlichkeit. Für den modernen, aufgeklärten Menschen ist es heute eher umgekehrt: Das Geister-Motiv rückt die bekannte und vertraute Welt ins Unheimliche.

Im Gegensatz zur westlichen Welt ist die Existenz von Geistern und anderen okkulten Mächten in Afrika ein breiter gesellschaftlicher Konsens, obwohl auch dort Debatten über betrügerische Geistmedien geführt werden und die Einstellung der modernen Wissenschaften zu dem Thema bekannt sind. Selbst in den christianisierten und islamisierten Ländern gehen die Menschen davon aus, dass diese Mächte das Alltagsleben mehr oder weniger mitbestimmen. Die Kosmologie der überlieferten Religionen ist allgegenwärtig; Zauberer, Hexer und Geistheiler sind immer noch wichtige Personen in den meisten afrikanischen Staaten und magische Handlungen zur Beeinflussung der Geister und ihrer "Taten" sind auch im urbanen Kontext nichts Ungewöhnliches.

Spuk

Spuk ist eine Bezeichnung für nicht offensichtlich wissenschaftlich erklärbare, unheimliche Erscheinungen. Die Naturwissenschaft erklärt Spuk und Geister mit natürlichen Ursachen, als Illusion oder psychologischen Effekt. Nach Ansicht der Parapsychologie bleibt dagegen auch nach Anwendung aller natürlichen Erklärungen ein Rest unerklärlicher Phänomene, der als "sich wiederholende spontane Psychokinese" (engl. "Recurrent Spontaneous Psychokinesis", kurz RSPK) gedeutet wird.

Ferner sind Geister und Spukerscheinungen ein wissenschaftlicher Untersuchungsgegenstand der Volkskunde oder Kulturhistorik.

Personen- und ortsgebundener Spuk

Die Parapsychologie unterscheidet personengebundenen und ortsgebundenen Spuk. Beim personengebundenen Spuk lässt sich eine — oft entweder pubertierende oder sterbende — Person als Agent der Spukphänomene vermuten. Der ortsgebundene Spuk ereignet sich, anscheinend ohne lebenden Agenten, über Jahre, Jahrzehnte oder gar Jahrhunderte immer an demselben Ort. Ein Beispiel ist die in einigen Schlö:ssern wiederholt beobachtete Weiße Frau. Personengebundener Spuk mit seiner eher kurzen Dauer wird, vor allem wenn er physisch-akustischer Natur ist, auch als Poltergeist-Phänomen bezeichnet, während ortsgebundener Spuk, oft ohne persönlichen Bezug zu bzw. ohne direkte Kommunikation mit den Beobachtern, manchmal auch als Spuk im engeren Sinne verstanden wird.

Erklärungsansatz: Physische Ursachen

Unheimliche Geräusche in Gebäuden werden oft z. B. durch Tiere wie Mäuse, Ratten oder Marder (z. B. im Dachstuhl), durch Windstöße oder auch durch Materialspannungen aufgrund temperatur- und feuchtebedingter Ausdehnungs- und Schrumpfungsvorgänge hervorgerufen. Zufallende Türen und Fenster, hin- und herschwingende Gardinen und ähnliche Erscheinungen lassen sich in den meisten Fällen auf Luftströmungen aufgrund von Temperatur- oder Druckunterschieden zurückführen.

Erklärungsansatz: Psychogeographische Ursache

Die psychogeographische Theorie beruht auf der Überzeugung, dass Spukhäuser und -schlösser oft eine "unheimliche" Atmosphäre besitzen, die die Psyche und Wahrnehmung des Menschen beeinflussen. Ist man als Besucher eines solchen Ortes ohnehin angespannt, können physikalische Effekte wie ein kalter Luftzug, Magnetfelder oder Infraschall leicht Angstzustände auslösen. Dieser Erklärungsansatz wurde durch großangelegte wissenschaftliche Untersuchungen im Hampton Court Palace und im Edinburgh Castle unter Leitung des britischen Psychologen Richard Wiseman bekräftigt.

Erklärungsansatz: Täuschungen

Einige berichtete "Spukerscheinungen" wie manche Poltergeist-Erscheinungen (z. B. Chopper) lassen sich auch auf von lebenden Menschen betrügerisch ausgeführte Manipulationen zurückführen. Darüber hinaus werden auch Lügengeschichten und Zeitungsenten als Quelle der Informationen über Spuk angenommen.

Übernatürliche Erklärungsansätze für Geister

In der Parapsychologie wurden folgende Theorien entwickelt, um diejenigen Spuk-Erscheinungen, die nach ihrer Ansicht nicht wissenschaftlich erklärbar sind, zu deuten:

Die animistische Theorie

Die animistische Theorie (von lat. anima "Seele") erklärt Spukphänomene als von Lebenden paranormal verursacht. Dies soll auf viele Poltergeistphänomene zutreffen; bei ortsgebundenem und manchmal über Generationen berichteten Spuk wie etwa der "Weißen Frau" in sogenannten Spukschlössern wird die animistische Deutung jedoch schwieriger.

Der spiritistische Ansatz

Die spiritistische Theorie (von lat. spiritus "Geist") geht davon aus, dass Spuk von unabhängigen Wesenheiten (Geistern) verursacht wird, konkret von Seelen Verstorbener, die noch immer auf Erden weilen und nicht bereit sind loszulassen bzw. zu sterben.

Die Anhänger Jakob Lorbers vertreten diesen Standpunkt. Sie gehen davon aus, dass keine gläubige "Christenseele", dagegen öfter "ungläubige Menschenseelen" sich spukhaft nach ihrem leiblichen Tod an ihrem gewohnten Lebensort in was auch immer für einer Form "bemerkbar" machen.

Verselbständigte psychische Anteile

Der österreichische Psychologe Alfred Freiherr von Winterstein (1885-1958) ebenso wie Marie-Louise von Franz formulierten unabhängig voneinander die Theorie, dass Geister und Spukphänomene von autonom gewordenen psychischen Komplexen Verstorbener verursacht würden. Winterstein zog in einem Aufsatz nach Anführung einiger Fallbeispiele das Fazit: "Die Spukphänomene mit ihrer monotonen, automatischen Wiederholung ein und derselben Handlung erwecken den Eindruck, dass es sich hierbei nicht um das Ueberleben der ganzen Psyche handelt, sondern nur eines autonom gewordenen Vorstellungskomplexes, einer fixen Idee, einer Zwangsvorstellung, die zur fortwährenden Abfuhr und Realisierung durch die Spukerscheinungen (...) drängt."

Ähnlich schrieb Marie-Louise von Franz, gestützt auf C. G. Jung: Spuk werde von verselbständigten Teilseelen bzw. abgespaltenen psychischen Komplexen Lebender oder Verstorbener verursacht, die sich halb intelligent, halb sinnlos oder störend verhielten.

Gespeicherte psychische Eindrücke

Die englische Parapsychologin Eleanor Sidgwick vertrat die Ansicht, Gegenstände oder Häuser könnten seelische Energie aufnehmen und auf sensitive Menschen übertragen. Leicht abweichend vermutete Henry Habberly Price, emotionsgeladene seelische Eindrücke würden nicht in der Substanz von Gebäuden, sondern in einem "psychischen Äther" zwischen Geist und Materie gespeichert (englisch: Psychic-ether-hypothesis). Die so gespeicherten Eindrücke könnten immer wieder wahrgenommen werden; so entstünde das typische Phänomen, dass viele Spukerscheinungen Krisenereignisse wiederholten. Die Naturwissenschaftlerin Fanny Moser erklärt die in manchen Spukfällen auftretenden sogenannten Mimikry-Geräusche — Geräusche, die die frühere Beschäftigung eines Verstorbenen nachahmen wie z. B. Schritte, Stühlerücken usw. — damit, dass Gebrauchsgegenstände psychische Energie aufnehmen könnten. Hans Bender vertrat die Ansicht, heftige Emotionen könnten eine örtlich gebundene Atmosphäre verursachen, die unabhängig vom Menschen existiere und paranormale Ereignisse verursache oder begünstige.

William G. Roll, Leiter der Psychical Research Foundation in Durham, North Carolina, erweiterte die Theorie gespeicherter psychischer Eindrücke zu einer Spektrumtheorie: Spuk könne zwar auf gedächtnisähnliche Spuren in der stofflichen Umgebung zurückgehen; daneben würden aber auch viele Spukphänomene vom Perzipienten (Wahrnehmenden) unbewusst selbst erzeugt, um emotionale Bedürfnisse zu befriedigen. Denn auch wenn Spuk manche Perzipienten in Angst versetze, seien viele Menschen mit ihren Spukerscheinungen glücklich. Daher gebe es ein Spektrum mit den paranormalen Eindrücken auf der einen und den Bedürfnissen des Perzipienten auf der anderen Seite.

Kontakt mit Geistern (Geisterbeschwörung) und Medium

Manche glauben an Nachtod-Kontakte bzw. daran, dass sog. Medien Kontakte zu verstorbenen Menschen bzw. Geistern, die spuken können, herstellen können. Dieser sog. Mediumismus ist in Europa insbesondere stark in England, Wales und in der Schweiz verbreitet. In England und Wales gilt Medium als anerkannter Beruf mit eigener Gewerkschaft und eigenen Schulen und Ausbildungszentren. In England und Wales treten Medien in vielen Kirchen auf. In der Schweiz führen viele Medien eigene Praxen, treten auf großen Bühnen und im Fernsehen auf und arbeiten u. a. mit der Polizei für Ermittlungsarbeiten zusammen. In Brasilien werden Medien vom Staat anerkannt und deren Fähigkeiten genutzt. In Einzelfällen werden dort die Aussagen von Medien vor Gericht akzeptiert. Es gibt keinen wissenschaftlichen Nachweis für eine Existenz solcher Fähigkeiten. ∎